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Artist to Watch | Hannu Karjalainen

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October 3rd, 2010 Posted 1:38 pm

“Woman with purple scarf“ 2009, „Woman in pink dress“ 2008, „Man in pale blue skirt“ 2008
Hannu Karjalainen’s Portraits wirken sehr reduziert und auf den ersten Blick fast unscheinbar. Ein schlicht grauer Hintergrund und Bilder von scheinbar „ganz normalen“ Personen – drei Hüftbilder, drei Portraits.

Eine Frau dreht uns den Rücken zu, trägt ein lilanes Kopftuch, hat den Blick gen Boden gerichtet. Ein Mann im hellblauen Hemd, kurze dunkelblonde Haare, steht uns im Bild gegenüber und schaut ebenfalls auf den Boden. Im dritten Bild sehen wir eine Frau mit hochgesteckten Haaren, mit starren Blick schau sie am Betrachter vorbei. Sie trägt ein rosanes Kleid mit Puffärmeln und Reifrock. Nun sind die Kleidungsstücke nicht aus Wolle, Seide, Baumwolle oder einem anderen textilen Material. Der leichte Schimmer, die Reflexionen in der Kleidung – eine scheinbar zähe Masse legt sich um die Körper. Es ist Farbe die sich um die Silhouette der Kleidungsstücke windet, schaut man genauer hin sieht man die Farbe beim lilanen Kopftuch tropfen und beim rosanen Kleid sind Farbflecken auf dem Arm zu entdecken. Die Portraits wirken inszeniert, wie Staturen, die Kleidung wirkt wie eine Plastikschale die für jedes Kostüm gegossen wurde.

Was hat das alles zu bedeuten? Das Portrait so sagt das Wörterbuch ist: „ eine künstlerische Darstellung einer oder mehrerer Personen. Die Absicht eines Porträts ist es, neben der Darstellung körperlicher Ähnlichkeit auch das Wesen, bzw. die Persönlichkeit der porträtierten Person zum Ausdruck zu bringen. Daher zeigt das Porträt wegen der Bedeutung der menschlichen Mimik in der Regel das Gesicht der Person…“ Doch geht es in Karjalainen’s Arbeit um die Persönlichkeit, das Wesen? Die Kleidung kann oftmals Auskunft über Beruf, sozialen Status oder soziale Gesellschaftszugehörigkeit geben, die Farbmassen verschleiern aber mögliche Schlüsse auf die Akteure. Der Blick der Modelle ist verhalten, ausweichend. Der Künstler selbst sagt: „…their true identity remains shrouded underneath the layers of paint. As the subjects appear distant and eventually unapproachable, we are left with a canvas on which to project one’s own hopes, dreams, nightmares and fears.”

Hannu Karjalainen 1978 in Haapavesi, Finnland geboren, lebt und arbeitet in Helsinki und Berlin. Karjalainen wird zu den Künstlern der Helsinki School gezählt, die Helsinki School bzw. die Fakultät für Fotografie der University of Art and Design Helsinki ist die größte Kunstschule in Finnland mit ca. 1700 Studenten. Künstler der „Helsinki School“ sind herausragende Studenten und Absolventen des Fachgebietes Fotografie zu denen unter anderem auch Riitta Päiväläinen, Jouko Lehtola, Ulla Jokisalo, Elina Brotherus und Jyrki Parantainen.

Karjalainen, 24 weitere Künstler der Helsinki School und viele andere Künstler können noch bis zum 24. Oktober 2010 auf der Daegu Biennale in Daegu, Südkorea bewundert werden. Das diesjährige Thema des 2006 gegründeten und Koreas größtem Fotografie-Festivals ist Tru(e)motion. Ein Besuch lohnt sich!