eigenartig.es

— für die Entfaltung der eigenen Art und eigenständiges Denken

Erwin und Elmire

Das im Aufbruch einer Epoche der „Empfindsamkeit” stehende  LIBRETTO zu Erwin und Elmire entstand bereits 1775 in Frankfurt. Goethe war damals gerade einmal 25 Jahre alt und mit Lili Schönemann verlobt, seiner „Belinde”, der er das Stück in einem vorangestellten Vierzeiler widmete. Es wurde von Oliver Goldsmith’s „Der Landprediger von Wakefield” inspiriert. Elmire wird von ihrem Jugendfreund Erwin wegen ihres Kaltsinns verlassen und ist untröstlich darüber. Ihre Mutter Olympia und der Hauslehrer Bernardo versuchen vergeblich sie aufzuheitern, bis ein Plan entsteht. Elmire soll einem Eremiten ihr Leid klagen und seinen Rat einholen. Dieser ist natürlich der von Bernardo verkleidete Erwin, der nun aus Elmires Mund von ihren wahren Gefühlen hört und somit seine Zweifel an der Liebe und den Frauen überwindet.

Die Musik von Anna Amalia entstand kurz nach Goethes Ankunft in Weimar und steht qualitativ voll auf der Höhe ihrer Zeit. Die Herzogin hatte bereits in ihrer Heimatstadt Braunschweig eine umfangreiche musikalische Ausbildung genossen. Schon zur Zeit ihrer Regentschaft nach dem frühen Tod ihres Gatten galt ihre Liebe der Musik und der Oper. Nachdem sie 1775 die Regierungsgeschäfte an ihren Sohn abgegeben hatte, konnte sie sich viel freier dieser Neigung widmen.

Auf dem Ekhof-Festival 2009 zeigten das Lieder Theatre London und die IOpera Melbourne in Zusammenarbeit mit der Guilhall School of Music & Drama London die erste komplette szenische Aufführung des Werkes in Deutschland.

Erwin und Elmire:

Künstlerische Leitung: Norbert Meyn, London – www.liedertheatre.co.uk
Regie:
Christopher Gutmann, London
Musikalische Leitung
: Peter Tregaer, Melbourne – www.iopera.com.au
Sängerensemble:
Lieder Theatre London – www.liedertheatre.co.uk
Kostümbild/Maskenbild/Pressearbeit: Ann-Kathrin Rudorf

Schauspieler:

Elmire: Lucy Mervik
Erwin: Alexander Cadden
Olympia: Elisabeth Wimmer
Bernardo: Norbert Meyn

Das Ekhof-Theater (1681-1687)

Das Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein ist ein einzigartiges Denkmal der Theatergeschichte. Es gilt als das in seiner originalen hölzernen Bühnentechnik am vollständigsten erhaltene des 17. Jahrhunderts.

Die Bühnenmaschine

Die Kulissenflügel auf der linken und rechten Seite der Szene stehen in sogenannten Kulissenwagen, die sich unter der Bühne befinden. Damit können die Kulissen entlang der Schlitze im Bühnenboden, den “Freifahrten”, aus dem Blickfeld der Zuschauer hinaus und wieder herein gefahren werden.

Jeweils drei Kulissenflügel stehen direkt hintereinander und ermöglichen so drei aufeinanderfolgende Wechsel des Bühnenbildes. Damit zum Erstaunen der Zuschauer die Kulissen, der Rückprospekt und die die Bühne nach oben abschließenden “Soffitten” gleichzeitig verwandelt werden können, sind alle Teile mit einem ausgeklügelten System von Seilen und Wellbäumen untereinander verbunden. Innerhalb von Sekunden kann ein komplettes Bühnenbild ausgewechselt werden. Effektmaschinen wie Flugwerke, Versenkungen, Donnerschacht und Windmaschine ergänzen das barocke Theatervergnügen.

Das Ekhof-Festival

Seit 1969 wird das Gothaer Schloßtheater wieder regelmäßig bespielt. Das Ekhof-Festival, das jedes Jahr während der Sommermonate stattfindet, entdeckt unbekannte Werke des 18. Jahrhunderts für unsere Zeit wieder. Die Stücke werden in historischen Inszenierungen mit passendem Bühnenbild und Kostümen präsentiert. Bei nur 165 Plätzen ist ein intimes Theatererlebnis mit spektakulären barocken Effekten gewährleistet.