eigenartig.es

— für die Entfaltung der eigenen Art und eigenständiges Denken

Eine Kleiderstudie

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Wie verändert der Träger das Kleidungsstück und wie verändert das Kleidungsstück den Träger? Ein Sprichwort besagt „Kleider machen Leute“ und denken wir nur an die Gleichnamige Novelle von Gottfried Keller in der ein armer Schneider seine eigenen vornehmen Gewänder schneidert und von diesem Tage an für einen edlen Grafen gehalten wurde und schließlich reich heiratet.
Wer willst du heute sein? Was wir tragen gibt uns also Auskunft über unser Gegenüber. Aber noch mehr erfahren wir wenn beobachten wie es unser Gegenüber trägt. Die Art und Weise wie er seine Kleidung wählt, kombiniert und präsentiert. Roland Barthes es einst schrieb: „Indem Sie mit der Kleidung spielt, tritt die Kleidung selbst an die Stelle der Person; sie stellt sich als Persönlichkeit dar, vielschichtig genug, um häufig die Rolle zu wechseln.“
Beginnen wir das Experiment um herauszufinden wie die Person mit der Kleidung spielt, sie modifiziert, mit der Kleidung eine neue Identität annimmt, eine Rolle spielt. Die Mode als Mittel zur Variation persönlicher Identität?
Jeder Teilnehmer trägt das vorgegebene Kleidungsstück – ein blau-weiß gestreiftes Hemd. Die Größe darf frei gewählt werden, S/M und L stehen zur Wahl. Das Kleidungsstück darf nach Geschmack des Teilnehmers verändert, kombiniert, verfremdet werden, hierbei soll mit Gewissen und Sorgfalt gewählt werden.
Die Pose vor der Kamera kann ebenfalls von jedem Teilnehmer frei gewählt werden. Für die Studie ist der Augenkontakt mit der Kamera wichtig und das sich jeder Teilnehmer in seiner eingenommenen Pose bzw. Rolle wohl fühlt.
Wir tragen also sind wir? Sind wir was wir tragen?
Zum Schluss stellt sich die Frage sind es wirklich Kleider die Leute machen oder ist es nicht vielmehr der Träger der die von ihm zur Schau getragene Kleidung erst interessant macht? Dies gilt es herauszufinden.

Eine Kleiderstudie (a clothing study)

How does a person change a piece of clothing and vice-versa?
Who do you want to be today? They say that clothes make the man. In the Gottfried Keller story of the same name, a poor dressmaker tailors a fine wardrobe for himself. By appearing dressed as a fine lord, he is thought to be one and eventually marries into a rich family. What we wear tells others something about ourselves. But we also get information from others when we look closely at how they wear their clothes, how they combine and present them. According to Roland Barthes: “As a person plays with clothing, the clothing itself takes the place of the person; it presents itself as a personality, complex enough to change roles.” Can we structure an experiment to look at how a person plays with clothing or modifies it to have a new identity? Can fashion be an instrument of variable personal identities?
Each test subject wears the same piece of clothing – a shirt with a blue and white striped pattern. The test subject is free to choose between the sizes S, M and L. They are also free to wear the shirt as they like, combining it with their own clothing. They should make their decisions consciously and deliberately.
The pose in front of the camera is also up to the test subject. For the study it is important to have eye-contact with the camera, and that each subject feels comfortable in his pose and in the role he is playing.
By wearing we are? Are we what we wear?
In the end, the question that we seek to answer is whether it is really clothing that makes people, or is it the person wearing it that makes a garment interesting.